Berlin-Style
Wenn ich an dieser Stelle bemerke, dass Berlin klamottenmäßig ganz schön ab vom Padd ist, spreche ich kein Geheimnis aus. Tarnklamotten auf der einen Seite, möglichst das komplette H&M-Inventar zusammen, quer gemixt auf einmal am Körper (genau so, dass es gar nicht passt) auf der anderen. Chic ist 'was anderes. Und deshalb musste ich über einen Artikel von Peter Richter in der ZEIT sehr lachen. Ein Auszug daraus hier:
Der „Berlin-Style“ ist inzwischen ein stehender Begriff, der in Städten wie Hamburg oder Düsseldorf dazu dient, Leute zu klassifizieren, denen man aus Mitleid Geld zustecken möchte, obwohl sie es gar nicht nötig haben. Er ist in seinen Details nur schwer zu beschreiben, ich kenne aber junge Frauen, die sich eben noch mit Pferdeschwanz, Bluse und Gucci-Täschchen durch München proseccelt haben, dann nach Berlin gezogen sind und nach einer Woche aussahen, als hätten sie sich beim Einkleiden aus genau der Mülltonne bedient, in die aus gutem Grund vor zwanzig Jahren das Bühnenoutfit von Nena entsorgt worden ist. So in etwa muß man sich den „Berlin-Style“ bei jungen Frauen vorstellen. Da junge Frauen in Berlin mitunter auch schon ganz schön alt sein können, kann es passieren, daß man sich nicht sicher ist: Ist das jetzt so eine stinkreiche Event-Tante im „Berlin-Style“ – oder lebt die Frau einfach nur schon länger von Sozialhilfe? Gerade in der armen Stadt Berlin stoßen ja ironische Retro-Moden häufig auf die ganz und gar nicht witzigen Original-Miseren. Zur Hardcore-Variante des weiblichen „Berlin-Style“ gehören fleischfarbene Kniestrümpfchen. Diese Abart nennt sich auch: „Wie angele ich mir einen Päderasten, der gleichzeitig auch auf Omas steht.“
Für den Mann im „Berlin-Style“ sind in diesem Sommer Vollbart und Truckermütze verpflichtend. Die Frisuren sollten einem auf dem Kopf getragenen Haustier ähneln und der Gesichtsausdruck dem eines Andersbegabten. Oder weniger politisch korrekt ausgedrückt: dem von Adam Green. Kenner lassen zusätzlich noch Speichelfäden aus dem Mund laufen. Die fundamentale Ambitions- und Erfolglosigkeit, die durch Haltung und Kleidung zum Ausdruck gebracht wird, muß dabei mit Zündschlüssel und Sonnenbrille stets zumindest soweit konterkariert werden, daß der Kellner sich sicher sein kann, für den Latte Macchiato reicht das Geld, oder jedenfalls das der Eltern.
Den ganzen Artikel kannst Du nachlesen in der ZEIT.
Der „Berlin-Style“ ist inzwischen ein stehender Begriff, der in Städten wie Hamburg oder Düsseldorf dazu dient, Leute zu klassifizieren, denen man aus Mitleid Geld zustecken möchte, obwohl sie es gar nicht nötig haben. Er ist in seinen Details nur schwer zu beschreiben, ich kenne aber junge Frauen, die sich eben noch mit Pferdeschwanz, Bluse und Gucci-Täschchen durch München proseccelt haben, dann nach Berlin gezogen sind und nach einer Woche aussahen, als hätten sie sich beim Einkleiden aus genau der Mülltonne bedient, in die aus gutem Grund vor zwanzig Jahren das Bühnenoutfit von Nena entsorgt worden ist. So in etwa muß man sich den „Berlin-Style“ bei jungen Frauen vorstellen. Da junge Frauen in Berlin mitunter auch schon ganz schön alt sein können, kann es passieren, daß man sich nicht sicher ist: Ist das jetzt so eine stinkreiche Event-Tante im „Berlin-Style“ – oder lebt die Frau einfach nur schon länger von Sozialhilfe? Gerade in der armen Stadt Berlin stoßen ja ironische Retro-Moden häufig auf die ganz und gar nicht witzigen Original-Miseren. Zur Hardcore-Variante des weiblichen „Berlin-Style“ gehören fleischfarbene Kniestrümpfchen. Diese Abart nennt sich auch: „Wie angele ich mir einen Päderasten, der gleichzeitig auch auf Omas steht.“
Für den Mann im „Berlin-Style“ sind in diesem Sommer Vollbart und Truckermütze verpflichtend. Die Frisuren sollten einem auf dem Kopf getragenen Haustier ähneln und der Gesichtsausdruck dem eines Andersbegabten. Oder weniger politisch korrekt ausgedrückt: dem von Adam Green. Kenner lassen zusätzlich noch Speichelfäden aus dem Mund laufen. Die fundamentale Ambitions- und Erfolglosigkeit, die durch Haltung und Kleidung zum Ausdruck gebracht wird, muß dabei mit Zündschlüssel und Sonnenbrille stets zumindest soweit konterkariert werden, daß der Kellner sich sicher sein kann, für den Latte Macchiato reicht das Geld, oder jedenfalls das der Eltern.
Den ganzen Artikel kannst Du nachlesen in der ZEIT.
Christoph. - 14. Jan, 09:33






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